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  • Jürgen Fazeny

Corona – der Bargeld-Killer?


Quelle: https://paymentandbanking.com/corona-der-bargeld-killer/


Verfolgt man dieser Tage die teils hitzigen Diskussionen in den diversen sozialen Medien (man beachte den Twitter Account der Geldautomatenlobby) über Verschmutzung und Virenbelastung von Bargeld, hat sich nun auch die namhafte Journaille, z.B. FAZ oder Spiegel, mit dem Thema befasst. Und damit die Verschwörungstheorie von der Abschaffung des Bargelds sofort im Keim erstickt wird, hat sich die Bundesbank eingeschaltet und klargestellt, dass die Bargeldversorgung sicherer als diejenige mit Toilettenpapier ist („Unsere Tresore sind voll bis oben hin“).


Im Gleichklang dazu hat das Gesundheitsamt Frankfurt den Infektionsweg für das Coronavirus über den Bargeldaustausch komplett ausgeschlossen – eine mutige Aussage zu der es zu diesem Zeitpunkt wohl kaum ausreichend belastbare Untersuchungen gibt. Denn erste Untersuchungen zu dieser Fragestellung deuten mittlerweile darauf hin, dass die Viren doch eine gewisse Zeit auf dem Geld überleben können. Und wenn Top-Virologe Prof. Dr. Streeck empfiehlt, nach dem Anfassen von Gegenständen Hände zu waschen, dann muss das ebenfalls für Bargeld als physischem Gegenstand gelten.


Glaubt man der Journaille, dann durchleben die Zahlungsverkehrsdienstleister in Deutschland aktuell ihr Eldorado im Vertrieb von POS-Terminals und durch wachsende NFC-Transaktionen. Wesentliche Treiber dieser steigenden Beliebtheit des kontaktlosen Bezahlens sind die Discounter. Sie fordern mit Plakaten und Aufklebern ihre Kunden auf, bitte (möglichst kontaktlos) mit Karte oder besser gleich mit dem Smartphone zu zahlen – dem Kassenpersonal zuliebe! Wer hätte sich das in der Payment-Branche noch vor vier Wochen träumen lassen? Endlich haben der Handel und speziell die vielen kleineren Händler ein Einsehen und wollen schnellstmöglich die Kartenakzeptanz einführen – sehr zum „Ärger“ der Bargeldlobbyisten und der Betreiber von Geldautomaten. So warnen die einen vor dem „gläsernen Bürger“, fürchten die anderen ganz simpel um ihr Geschäft, wenn demnächst vorab niemand mehr zum Geldautomaten muss, um seine Rechnung im Restaurant bezahlen zu können.


Hygiene ist heute also der Treiber für ein verändertes Konsumentenverhalten im bargeldlosen Zahlungsverkehr. Viele, die bislang nur ab und an die Karte zückten, erleben jetzt die Selbstverständlichkeit der kontaktlosen Kartenzahlung.


Besonders profitieren die Bezahlwallets auf dem Smartphone, insbesondere Apple Pay und Google Pay. Wo jeder Computer-„Virus“ gefürchtet ist, bewirkt der Coronavirus die pandemieähnliche Ausbreitung des Mobilepayment. Und damit hat sich auch ein Stück weit schon wieder die Diskussion über die Girocard mit NFC-Chip überholt… auch eine Erkenntnis, die die Zahlungsverkehrsstrategen im #DK-Projekt zum Nachdenken anregen sollte.


Der eCommerce mit Waren des täglichen Bedarfs sowie Home-Delivery-Anbieter erleben derzeit eine stark wachsende Nachfrage. Payment bewegt sich vom Point of Sale weiter in den Onlinehandel. Und im privaten Umfeld werden sich die Person-to-Person Payments neuer Beliebtheit erfreuen. „Moneybeamen“ hat (leider nichts) mit Mr. Spock von Raumschiff Enterprise zu tun, sondern schickt genauso „magisch“ Geldbeträge an Freunde oder Familienangehörige – und ist zu Ostern, wo wir nicht mit den Lieben kleinere oder größere Geschenke persönlich austauschen können, sicherlich zuverlässiger als der Osterhase!


Und worüber freuen wir Paymentnerds in Deutschland uns bei dieser Diskussion, die in sozialen Medien auch schon mal klamaukartige Züge annimmt? Im „Entwicklungsland des bargeldlosen Zahlungsverkehrs“ bekommt der Konsument hoffentlich bald die Wahlfreiheit an jedem POS zu entscheiden, ob er bar, mit Karte oder mobil bezahlen möchte. Und dazu passt auch die Presseinformation des Brancheverbands Bitkom: „Bezahlen mit dem Smartphone oder der Smartwatch sorgt für zusätzliche Sicherheit und reduziert eventuelle Infektionsrisiken.“


Mit der flächendeckenden Möglichkeit des digitalen Bezahlens würden wir in Deutschland endlich eine Entwicklungsstufe erreichen, die andere Länder wie England, Schweden oder Frankreich schon seit vielen Jahren erreicht haben. (Und selbst dort soll es „gerüchteweise“ noch Bargeld und Geldautomaten geben.) Die vielfältigen, neuen Erfahrungen in jedem Lebensbereich werden durch die Coronakrise nachhaltig sein. Beim digitalen Bezahlen geht die „learning-curve“ derzeit steil nach oben, während sich die Liebe zum Bargeld in einer „declining-curve“ befindet. Und eine „declining-curve“ ist aktuell sehr gut!


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Jürgen Fazeny

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